Dienstag, 15. Januar 2019

Überflüssige Anglizismen


Wenn man die Entwicklung der Sprache in Medien, Schulen oder dem Alltag verfolgt, stellt man fest, dass immer mehr deutsche Wörter durch englische ersetzt werden. Es hat nichts damit zu tun, dass wir im Laufe der Zeit immer wieder neue Wörter aus allen möglichen Sprachen übernommen haben. Für das Englische waren das zumeist technische Wörter wie etwa Countdown, Computer, CD, DVD, Stringtheorie, aber auch andere wie Baby, Teenager, Ketchup, Hotdog oder Bypass. Für einige dieser Wörter gibt es keine einfache deutsche Entsprechung oder sie ist – vermutlich nur durch Nichtgebrauch – ungewohnt geworden. Dies ist eine normale Entwicklung, wie sie in fast allen Sprachen stattfindet, und es ist ein selbstlaufender Prozess.

Was wir gerade erleben ist aber etwas völlig anderes. Hier werden wir mit unnötigen Anglizismen bombardiert. Einige Beispiele aus Filmen:
Die guten Cops (Polizisten) jagen die Aliens (Außerirdischen) und werden dabei von coolen (tollen, außergewöhnlichen) Kids (Kindern) unterstützt. Sie jagen Mom (Mutter) und Dad (Vater) damit einen großen Schrecken ein, bleiben aber tough (zäh, knallhart). Sie nehmen das Shuttle (Raumfähre) und bewaffnen sich mit Guns (Gewehren) und werden Champions (Meister) im Killen (töten).
Ist das nur schlampig synchronisiert oder Absicht?

Im öffentlichen oder beruflichen Umfeld ist es nicht besser. Gibt es jetzt nicht Jobcenter statt Arbeitsämter? Es wimmelt von Events (Ereignissen), Meetings (Besprechungen), Jobs (Stellenangeboten) und Shops (Läden). Man kauft statt Fahrkarten Tickets, um zum Airport (Flughafen) zu kommen und mit einer Airline (Fluglinie) zum Shoppen (Einkaufen) zu fliegen. Der Treffpunkt ist nur noch der „Meeting Point“, bald werden auch „Abflug“ oder „Ankunft“ durch „Departure“ und „Arrival“ ersetzt sein. Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens haben Bodyguards (Leibwächter), falls die Security (Sicherheitsdienst) versagt.
In der Presse ist es fast noch schlimmer. Da gibt es Unfälle mit Bikern (Radfahrern), Skatern (Rollschuhfahrern), Trucks (Lastwagen), Pickups (Pritschenwagen) und SUVs (Geländewagen). Es gibt Deals (Vereinbarungen), Banker (Bankiers), Shareholder Value (Börsenwert) oder Newcomer (Neulinge).

Die Kinder arbeiten in der Schule mit Mindmaps (Gedankenkarten), die auf Flipcharts (Tafelschreibblöcken) gezeichnet oder mit dem Overhead-Projektor (Tageslichtprojektor) projiziert werden. Sie machen manchmal ein Brainstorming (Ideensammlung) um dem Lehrer dann ein Feedback (Rückmeldung, Ergebnis) zu geben. Manchmal machen sie einen Cut (Schnitt) und bekommen dann einen Break (Unterbrechung), um später wieder powern (Leistung bringen) zu können.

Es gibt noch viele weitere Beispiele. Wir sollten uns ernsthaft fragen, ob wir das einfach so hinnehmen wollen. Lassen wir uns unsere schöne Sprache nicht von Dilettanten kaputt machen. Am besten fangen wir bei uns damit an, indem wir solche Ausdrücke nicht verwenden und andere darum bitten, wieder gutes Deutsch zu sprechen und zu schreiben.

Stefan

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