Freitag, 18. Januar 2019

Ein Beschwerdebrief

Ich habe den folgenden Brief an ein Unternehmen geschickt:


Sehr geehrte Damen und Herren,
mir ist aufgefallen, dass Ihre deutschsprachige Webseite nur so von unnötigen Anglizismen und schlimmen Wortneubildungen wimmelt, was für mich sprachlich wirklich inakzeptabel ist.
Sie verwenden Begriffe wie:
Store Finder (statt Filialsuche); Feedback (Rückmeldungen); Login (Anmeldung); Shop (Laden, Geschäft); Best Deal, Special Sale Deal (Sonderangebot); Sale (Schlussverkauf, Ausverkauf); Outfit ((Be-)Kleidung); Party-Outfit (Festkleidung); Sport-Outfit (Sportkleidung); Streatwear (Straßenkleidung); Silvester-Outfit (Silvesterkleidung); Street-Style (Straßenstil); Sweat (Pullover); Shirt (Hemd); Highlight (Höhepunkt); Online-Shop (Verkaufsplattform; Online-Verkauf; Internet-Verkauf); Style (Stil); Foundation (Stiftung); take it back (zurücknehmen, Rücknahme)
Dies ist nur eine winzige Auswahl. Man kann sicher einige englischsprachige Modebegriffe wie Fleece, Leggings oder Jogginghose verwenden, aber nicht völlig unnötige Anglizismen, wo es deutsche Wörter gibt. Sonst schlage ich vor, Sie bieten die Seite gleich nur auf - dann aber korrektem - Englisch an, denn für jemand, der ein wenig Deutsch kann, ist die aktuelle "deutsche" Version eine sprachliche Zumutung. Deshalb habe ich Ihnen auch einige deutsche Entsprechungen angemerkt. Sicher darf es in der Werbung gerne auch etwas locker sein, aber es gibt dafür viele deutsche Begriffe, die man verwenden kann.
Es ist auch nicht so, dass sich Leute, die Deutsch nicht als Muttersprache haben, auf so einer Denglisch-Seite wohlfühlen würden. Diese bevorzugen dann eindeutig eine rein englische, französische, türkische oder italienische Seite.
Ich möchte Sie daher bitten, Ihre Seite im Sinne der deutschsprachigen Anwender zu überarbeiten und so zu gestalten, dass man sie wieder ohne sprachliches Grausen anschauen kann und wie es einer seriösen Firma wie (Firma) eigentlich auch geziemt.

Dies ist übrigens auch die Meinung vieler Bekannter, mit denen ich darüber schon diskutiert habe. Vermutlich haben sich leider bisher nur wenige Ihrer Kunden, zu denen ich übrigens auch zähle, die Mühe gemacht, Ihnen deshalb zu schreiben.

Mit freundlichen Grüßen,



Und die Antwort war:

Vielen Dank für Ihre E-Mail.

Wir beschränken uns beim Einsatz der englischen Sprache auf Schlagwörter, die bereits häufig Eingang in den deutschen Sprachschatz gefunden haben, wie zum Beispiel Sale, Kids, Women, Jeans, T-Shirt. Zur Erklärung sei gesagt, dass wir im Vorfeld diverse Kundenbefragungen durchgeführt und dabei u. a. explizit diese Thematik angesprochen haben. Bei diesen Befragungen wurden bewusst sämtliche Altersgruppen beiderlei Geschlechts angesprochen. Die einhellige Meinung dabei war, dass englische Begrifflichkeiten durchaus "gelernt und akzeptiert" sind und darüber hinaus als sympathisch gelten. Sicherlich ist die Wahrnehmung dennoch im Einzelfall auch hier unterschiedlich.
Grundsätzlich sind wir bei der Verwendung von englischen Begriffen sehr bemüht, behutsam vorzugehen. Es ist sicherlich nicht von der Hand zu weisen, dass viele anderssprachige Worte Einzug in unsere Sprache gehalten haben und nicht mehr wegzudenken sind. T-Shirt, Computer, Jeans oder Sale sind Begriffe, die mit großer Selbstverständlichkeit verwendet werden.

Als international agierendes und modernes Unternehmen versuchen wir natürlich auch, in unserer Werbung Impulse zu setzen und den Zeitgeist zu treffen.

Wir bitten um Entschuldigung, wenn Ihnen das Erscheinungsbild an dieser Stelle unangenehm aufgefallen ist, und würden uns natürlich freuen, Sie bald wieder bei (Name von Unternehmen) begrüßen zu dürfen.




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